Ich bin Inter*

Ich bin Inter* – sieht man doch


Hallo,

schön, dass Du uns gefunden hast. Bist Du auf diesen Link gegangen, weil Du ein Fragezeichen im Kopf hattest? Genau, man sieht es uns nicht unbedingt an. Und trotzdem sind wir da – eine Tatsache! Wir wollen gesehen werden und deswegen zeigen wir uns hier. Zwei Kategorien „Frau“ und „Mann“, das ist uns zu wenig. Es ist verletzend, in eine Schublade gesteckt zu werden, in die man nicht passt. Alle Menschen sollten als das Geschlecht angenommen werden, das ihrer Identität entspricht. Wir möchten mit dieser Plakataktion bewirken, dass in der Öffentlichkeit Menschen als Frau*, Mann* oder auch als Inter* wahrgenommen werden.

Etwa 20.000 Inter* Menschen leben statistisch in Niedersachsen, das sind ungefähr die Einwohner von Burgwedel. Kaum vorstellbar, nicht wahr?

Auf dieser Seite stellen sich einige Menschen vom Plakat vor. Wir freuen uns über Deine Neugier!

Inter*
(lat. inmitten, zwischen, unter) ist eine Bezeichnung für Menschen, die biologisch sowohl männliche als auch weibliche Anteile (körperlich, chromosomal, hormonell…) haben. Sie stehen also mit ihrer Geschlechtlichkeit zwischen weiblich und männlich. Intergeschlechtliche Menschen haben dennoch – wie jeder Mensch – eine Geschlechtsidentität, die divers, weiblich, männlich oder weder/noch sein kann. Manche identifizieren sich mit keiner der Kategorien d/w/m und entscheiden sich aus diesem Grund dafür, den Geschlechtseintrag im Geburtenregister offen zu lassen. Synonyme Begriffe für Inter* sind u.a. intergeschlechtlich, intersexuell, zwischengeschlechtlich.
Anjo

Ich bin Anjo und schon fast 20 Jahre in der Selbsthilfe aktiv. Vorher war ich wie viele von uns allein, niemand hatte uns geholfen, uns zusammenzufinden. Ich lebe ganz offen als Inter*, kläre viele Leute über meine Körperlichkeit auf, und habe auch eine Weder/Noch Identität, die ich mit dem diversen Personenstand jetzt auch offiziell anerkannt bekam.

Eine andere Art zu leben, als so offen, kann ich mir nicht vorstellen und ich setze mich weiter für eine komplette Akzeptanz in dieser Gesellschaft ein.

Ari

Als Kind wurde ich angepasst an eine geschlechtliche Norm. Niemand hat mit mir darüber gesprochen. Es wurde von mir erwartet, dass ich einen Teil von mir verberge und geschwiegen wird. Niemand durfte wissen, dass ich anders bin. Ich fühlte Einsamkeit, obwohl ich mitten unter anderen Menschen war. Man hat mich der unbeschwerten Kindheit beraubt und vorgeschrieben wie ich mich zu entwickeln habe. Warum hat mich niemals jemand gefragt was ich möchte?

Ich, Ari bin intergeschlechtlich, habe eine Familie, bin Krankenschwester und als Mensch geboren.

Danis

Mein Name ist Danis. Früher hieß ich mal anders. Ich bin ein Wunsch- und Einzelkind. Nach meiner Geburt bekamen meine Eltern die Information, dass sie einen Jungen mit einer Fehlbildung hätten. Die Medizin riet zu 1-2 Operationen. Meine Eltern lieben mich, sowie ich sie auch liebe. Und ich denke, Eltern, die Ihr Kind lieben, wollen nicht, dass es Schaden nimmt. Überfordert willigten meine Eltern zu den Operationen ein, denn Intergeschlechtlichkeit war damals kein Thema in der Gesellschaft, und das Internet gab es zu dieser Zeit auch noch nicht.

Neun Operationen in Richtung Junge folgten, aber meine Entwicklung schlug einen ganz anderen Weg ein. Es war für alle nicht einfach. Dennoch leben wir als Familie harmonisch unter einem Dach.

Heute weiß ich dank der Selbsthilfe, dass ich einen intergeschlechtlichen Körper und eine weibliche Geschlechtsidentität habe. Ich lebe annähernd in der weiblichen Rolle mit einem unbestimmten Personenstand, was es mir nicht immer leicht macht. Denn zum Beispiel in der Gesundheitsversorgung komme ich nicht vor, da es für diese Versorgung nur Jungen oder Mädchen mit Fehlbildungen gibt.

Lisa

Ich bin Lisa und ich bin Inter*geschlechtlich! Das heute so klar sagen zu können, war früher für mich nicht denkbar. Weil ich in der Pubertät und als junge*r Erwachsene*r keinen Namen für meine Zwischengeschlechtlichkeit hatte, außer einer medizinischen Diagnose. Als ich dann wusste, ich bin Inter*geschlechtlich, gab es keinen gesellschaftlichen Raum in dem ich als intergeschlechtlicher Mensch vorkam. Es gab keine Sprache derer ich mich bedienen konnte um auszudrücken wer ich bin. Erst durch die Treffen der Selbsthilfegruppe habe ich eine Gemeinschaft gefunden, in der Menschen so sind wie ich und wo ich eine Sprache und Stimme finden konnte, mit der ich das sozial-gesellschaftliche Tabu für mich aufbrechen konnte. Ich habe lernen können mich laut zu machen, für mich einzustehen und sichtbar zu werden. Und ich habe erfahren, dass ich so angenommen werde wie ich bin, wenn ich für mich einstehe.

Dies war ein langer und teils schmerzhafter Prozess, der viel Mut verlangte. Doch mittlerweile bin ich sehr dankbar dafür. Denn er hat mich gestärkt und ich habe in diesem Prozess für mich klar bekommen:

Ich bin Inter*, aber ich bin vor allem Mensch. Ich bin so viel mehr als meine Geschlechtlichkeit… Ich bin ich, mit all meinen Facetten.

Lucie

Auch ich lebe intergeschlechtlich geboren in Niedersachsen, das ist ein Teil meiner DNA. Das gehört zu mir wie weitere Aspekte meiner Identität als „ICH SELBST“, als Ostfries*in, als Niedersächs*in ,  Menschenrechtsverteidiger*in, Christ*in, Gleichstellungsbewegte*, Ehefrau*, Berater*in, Künstler*in, liebender Mensch und vieles mehr. Ich erkenne an, dass es viele Geschlechtlichkeiten, viele Identitäten, aber nur ein Recht gibt.

Menschen mögen unterschiedlich sein, die Gleichwürdigkeit und gleiche gesellschaftliche Teilhabe halte ich für zentrale Anliegen, für die ich mich einsetze. 

Sandrao

Moin und Hallo, ich heiße Sandrao und bin als zwischengeschlechtlicher Mensch zur Welt gekommen. Die Medizin kategorisierte mich in eine Schublade, in die ich nicht gepasst habe und hat mich nach medizinischen Vorstellungen zurecht gebastelt, was bis heute mit Schmerzen einhergeht. Ich kam als gesunder Mensch zur Welt und weil die Medizin nur zwei Schubladen kennt, haben sie mich und viele andere Menschen, leider bis zum heutigen Tag, krank operiert. Heute kämpfe ich gegen diese menschenunwürdige Behandlung und Dank der Selbsthilfe, lebe ich heute offen intergeschlechtlich was jeden Tag zu Irritationen führt, wenn ich wieder als Sie oder Er angesprochen werde. Ich bin zwischengeschlechtlich, dass sieht man doch!!! Ich passe in keine gesellschaftliche oder medizinische Schublade und das ist genau richtig! Ich fühle mich wohl, das zu sein als was ich auf die Welt kam und solange diese Operationen an kleinen Kindern jeden Tag in Deutschland passieren, werde ich nicht aufhören, es laut rauszuschreien. Wir sind da! Ein von der Natur gewolltes Wunder und ich bin so dankbar dafür, dass ich die Kraft habe, jeden Tag für Sichtbarkeit zu sorgen und Menschen aufzuklären. Uns gab es schon immer und wird es auch immer geben! Letztendlich sind wir alle nur Menschen und alle sind irgendwo auf einer Skala zwischen dem einen Extrem und dem anderen. Ich bin dazwischen, Inter eben.

Ich kann nur jedem Menschen empfehlen, das zu leben was er fühlt und ist, denn es ist wirklich befreiend sich nicht für andere zu verbiegen oder zu verstecken.